Der amerikanische Ethnologe Ward Keeler veröffentlichte in der jüngsten Ausgabe des “American Ethnologist” eine Untersuchung des Rap in Myanmar. Keeler geht in seinem Artikel “What’s Burmese about Burmese rap?” der Frage nach, ob Rap, als globales Phänomen, in Myanmar eine lokale Ausprägung erfährt.

Er vertritt die Meinung, dass es kaum eine spezifisch myanmarische Rap-Kultur gibt. Zwar entwickelt er einige Argumente, die darauf schließen lassen könnten, aber letztendlich schreibt er: “Speaking with Burmese friends about rap and hip-hop has led me to conclude that connections between Burmese rap and Burma’s specific cultural scene are more apparent than real…”

Argumente für “Lokalisierung”

Keeler erläutert eine alte myanmarische Tradition des Ruf-und-Antwort-Sprechgesangs, den viele ältere Myanmarer mit dem modernen Rap in Verbindung bringen. Diese alte Tradition des than ja’ fand früher Verwendung in der politischen Meinungsäußerung. Seitdem in Myanmar alles einer strengen Zensur unterworfen ist, hat das than ja’ diese Bedeutung verloren. Die Jugendlichen kennen diese Form des Sprechgesanges kaum noch. Keeler beschreibt auch die Inhalte der heutigen Rap-Musik in Myanmar als fad. Die Texte drehen sich hauptsächlich um Liebe, ein Thema, welches der strengen Zensur kaum zum Opfer fällt.

Ein weiterer Unterschied, den Keeler thematisiert, ist die Sprache. Während der amerikanische Rap bisweilen sehr derb sein kann, findet man in birmanischen Texten keine anzügliche Sprache. Keller schreibt “Kou No We [a burmese rapper] insisted that, although Westerners might be happy to perform and listen to rude lyrics, Burmese were not so inclined. ‘We’re Buddhist,’ he said, repeating a standard sentiment with which Burmese distinguish themselves from Westerners, ‘and we know shame.’”

Nur Nachahmung

Keeler stellt fest, dass sich in Myanmar keine eigene Rap-Kultur entwickelt, sondern die US-amerikanische Kultur nachgeahmt wird. Er schreibt: “What Burmese rap reproduces is the sound of U.S. rap, and what Burmese MC’s reproduce is the demeanor of U.S. performers.” Keeler’s Argumente für die Nachahmung liegen in der Anpassung der birmanischen Sprache, damit die Lieder wie englische klingen, und der Betonung des Kleidungsstils. Die birmanische Sprache ist für den Rhythmus des westlichen Raps nicht geeignet. Die Rapper lösen das Problem, indem sie den Klang der englischen Sprache imitieren. Ein weiteres Phänomen, welches Keeler verblüffte, war die Überbetonung der Mode. Einige Rapper wechselten während ihrer Auftritte, einige sogar während eines Songs, mehrmals ihr Outfit. Keeler fand das einerseits absurd, weist andererseits aber auf die Tradition myanmarischer Vorführungen hin, bei denen kunstvolle Kostüme eine wichtige Rolle spielten.

Rap als Status

Myanmarische Jugendliche nutzen den Rap, um sich darzustellen: Rap symbolisiert Reichtum, Kosmopolitismus und Moderne. Keeler zeigt in seinem Artikel, wie sich myanmarischer und US-amerikanischer Rap unterscheiden. Dennoch schreibt er in seiner Schlussfolgerung: “…I am obliged to say that I see very little to distinguish Burmese rap from other forms of rap elsewhere.”

Zum Weiterlesen: Keeler Ward.  “What’s Burmese about Burmese rap? Why some expressive forms go global” in: American Ethnologist; Vol. 36, No. 1, 2009, S. 2-19

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