[Click here to read it in English]Blog Action Day 2012 The Power of we

“Wir sind doch alle Menschen.” Diese idealisierende Aussage, die bisweilen für die Forderung nach dem Ende eines Krieges oder der Überwindung des Rassismus herangezogen wird, ist zwar richtig, aber sie ist nicht zielführend. Denn zu sagen, “ich bin Mensch” ergibt nur einen Sinn, wenn man sich von einem anderen Lebewesen, etwa von einem Tier, abgrenzen will.

Identität

Die Identität eines Menschen ist nicht statisch. Sie passt sich an den Kontext an. In Italien ist ein Deutscher Deutscher. Im Stadion von Juventus Turin ist der Deutsche wahrscheinlich eher Fan seiner deutschen Mannschaft. Reist derselbe Deutsche nach Afrika ist er Weißer, “Mzungu”, wie man in Ostafrika oft hört. Niemals würde er irgendwo auf der Welt von anderen Menschen als Mensch bezeichnet werden. Dazu müsste er wahrscheinlich außerirdische Lebewesen im Universum finden oder die Tiere im Zoo müssten sich über diesen menschlichen Gaffer lustig machen.
Wir alle brauchen die Zugehörigkeit zu Gruppen. Wir gehören zu Familien, zu Nachbarschaften, zu einer Stadt, einem Bundesland, einem Nationalstaat, zu Religionen, zu Vereinen oder beruflichen Netzwerken. Einige sind Fan einer Fußballmannschaft, andere sind Opernbesucher oder Theatergänger. Die Gewichtung liegt bei jedem selbst. Aber aus all diesen “WIR”, zu denen ein Mensch gehört, entsteht ein Ich. Die Zugehörigkeit zu Wir-Gruppen ist also wesentlich für die Identität des Menschen. Ohne Wir gibt es kein ich.

Globale Wir-Gruppen

Diese Wir-Gruppen, die identitätsstiftend wirken, können andererseits aber auch schädliche Wirkung haben, indem sie Konflikte verstärken. Wenn man zu einer Gruppe gewaltbereiter Fußballfans gehört, hat das negative Auswirkungen. Das gleiche gilt, wenn man sich einer religiösen Gruppe anschließt, die menschenverachtende Lehren verbreitet.

Gerade hat die EU den Friedensnobelpreis erhalten, weil wir uns durch dieses WIR gegenseitig respektieren und uns keinen Schaden zufügen. (Ich bin mir durchaus bewusst, dass dies eine idealisierte Vision ist, angesichts der EU-Krise) Wenn wir es schaffen, umfassende WIR-Gruppen, zum Beispiel globale Netzwerke jenseits von Sprachgrenzen, Nationalstaaten oder religiösen Gemeinschaften zu etablieren, dann sollte es möglich sein, dass wir uns respektieren, auch wenn wir unterschiedliche Fußballteams unterstützen oder verschiedenen oder gar keinen Religionen angehören. Daraus entstehen Identitäten, welche die Welt positiv verändern können.

Dieser Macht des “Wir” sollten wir uns bewusst sein!

Without We there is no I

“We are all humans.” This idealizing statement is sometimes brought forth when an end to war or the overcoming of racism is demanded. It is true but it is also misleading. Because saying “I am a human” only makes sense when differentiating from another living thing, such as an animal.

Identity

The identity of a person is not static. It adjusts to the context. In Italy a German is a German. In the stadium of Juventus Turin, the German might rather be the fan of his German team. If the same German travels to Africa, he is a white man or “Mzungu” as you can often hear in East Africa. Nowhere on earth would a person ever be called a human by others. For that he has to wait until finding extraterrestrial live in the universe or animals in the zoo making fun of this human gaper.
We all need the sense of belonging to a group. We belong to families, neighborhoods, cities, states, countries, religions, associations or professional networks. Some are fans of football teams others are opera fans or theatregoers. The importance of each group depends on the individual. But from all the “WE” that one belongs to, results an “I”. The belonging to ingroups is essential for the identity of a human. Without We there is no I.

Global Ingroups

Those ingroups that are identity-forming can on the other hand have harmful effects as they might reinforce conflicts. If one belongs to a group of violent football fans it also has negative consequences. The same is true for being member of a religious group that spreads inhuman ideologies.

The European Union just received the Nobel Peace Price, because we respect each other and don’t harm each other because of the WE we belong to. (This might be an idealized vision, considering the crisis of the EU.) When we are able to establish extensive ingroups for example global networks beyond boundaries of languages, nation states or religious communities, then it should be possible to respect each other even though we support different football teams or belong to different or no religions. From that identities are created, which can bring positive change to the world.

We have to be aware of this power of “We”!

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