Ulrich Wickert, der viele Jahre Nachrichtensendungen für ARD moderiert hat, kritisiert den “Mut zu Lücke” der Medien. In seinem Artikel in der FAZ bemängelt er die Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen. Sie geben sich der Sensationsgier hin, anstatt Hintergrundberichte zu liefern, mit deren Hilfe sich die Bürger eine Meinung bilden können.

Wickert kritisiert, dass das neue Kabinett nicht ausführlich vorgestellt wurde. Nun, ganz einfach: Die Bürger können sich im Internet die Zusammensetzung des neuen Kabinetts anschauen. Sie müssten dann nur noch die Lebensläufe und beruflichen Kompetenzen der Kabinettsmitglieder studieren, um nach einer umfassenden Analyse zu einer Meinung zu gelangen. Eventuell wäre ein Treffen mit den Politikern einzuplanen, um einen persönlichen Eindruck zu gewinnen. Wozu benötigen wir dann überhaupt noch die Medien?

Jeder mündige Bürger hat die Möglichkeit sich unabhängig zu informieren. Die Frage ist, wie viele Menschen tatsächlich die Zeit und das Interesse haben, dies zu tun. Die Aufgabe der Medien, nämlich die Bürger unabhängig zu informieren, wird in unserer Gesellschaft kaum noch wahrgenommen. Nicht nur die zunehmende Vermischung von PR und unabhängigem Journalismus, sondern auch die Vernachlässigung des Bildungsauftrages, führen zu einer Abnahme der Qualität.

Wickerts Analyse gilt nicht nur für die Innenpolitik. Sie gilt auch für die Auslandsberichterstattung. Die Themen, welche die Welt beschäftigen werden nur oberflächlich angerissen. Einige Informationen, die zur Meinungsbildung wesentlich beitragen könnten, finden den Weg in die Medien gar nicht erst. Beispiel: 4. November 2008. Was beschäftigte die Medien an diesem Tag? Die Präsidentschaftswahl der USA. Den ganzen Tag gab es Sondersendungen und Live-Berichterstattung. Es stand einfach keine Sendezeit zur Verfügung, um über einen Luftangriff der israelischen Armee auf den Gaza-Streifen zu berichten. Einen Monat später, als die Operation “Gegossenes Blei” begann, übernahm man dann einfach die Erklärung der Bundeskanzlerin, die Hamas sei der Grund für den Luftangriff.

Kritisches Denken und kritisches Hinterfragen ist den deutschen Medien leider abhanden gekommen. Warum war es ein holländischer Journalist, der die Bundeskanzlerin nach ihrem Vertrauen in den neuen Finanzminister  fragt. Warum wird die Frage nicht von deutschen Medien diskutiert? Politikverdrossenheit auch in den Medien?

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