In Deutschland haben zwei neue Forschungsprojekte begonnen, die den Zusammenhang zwischen Migration und Bildung untersuchen. Der Erfolg im deutschen Bildungssystem ist stark von der Herkunft abhängig. Für Migrantenkinder kommt die Tatsache hinzu, dass Migrationshintergründe oft mit sozialer Ausgrenzung verknüpft sind.

Das Forschungsvorhaben Children of Immigrants Longitudinal Survey in Four European Countries (CILS4EU) untersucht die Integration von Migrantenkindern. Folgende Fragen stehen im Mittelpunkt der Forschung: Warum schneiden Migranten im Bildungssystem schlecht ab? Warum tun sich Migranten auf dem Arbeitsmarkt schwerer, selbst wenn sie gute Noten haben? Wie kann verhindert werden, dass Integrationsdefizite der Eltern auch den Lebensweg der Kinder prägen?

Das Projekt ist international angelegt und läuft über mehrere Jahre. Institute aus Deutschland, Großbritannien, Schweden und Niederlande untersuchen die Entwicklung von Migrantenkindern der zweiten Generation. Aus dem Forschungsprojekt erhofft sich der Forschungsleiter Prof. Dr. Frank Kalter vom Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung international vergleichbare Daten, um die Hypothesen der Migrationsforschung zu überprüfen.

Neben den Migranten, die keinen Erfolg im Bildungssystem haben, gibt es durchaus solche, die einen Hochschulabschluss erlangen. Diese sehen aber oft keine Zukunft für sich in Deutschland. Sie haben geringere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, als deutsche Hochschulabsolventen. Daher wandern viele dieser gut ausgebildeten Migranten in die Herkunftsländer ihrer Eltern. Dort sind sie erfolgreich am Arbeitsmarkt und in internationalen Firmen oder Institutionen sehr gefragt.

Mit den Biografien dieser bildungserfolgreichen Transmigranten mit Universitätsabschluss beschäftigt sich ein Forschungsprojekt an der Philosophischen Fakultät der Leibniz Universität Hannover. Hier stehen zwei Fragen im Mittelpunkt: Warum haben es diese Migranten geschafft, und andere nicht? Und warum sahen die Migranten keine beruflichen Möglichkeiten für sich in Deutschland, und wieso lässt Deutschland gut ausgebildete Fachleute ziehen?

In einer Vorstudie zu dem Forschungsprojekt zu den Biografien der Transmigranten konnten bereits interessante Erkenntnisse gewonnen werden. Viele der Teilnehmer wurden durch eine Person außerhalb der Familie besonders gefördert, was zum Bildungserfolg beigetragen hat. Außerdem stellten die Migranten selbst fest, dass sie sich in Deutschland benachteiligt fühlten. Aussagen wie „In diesem Land werde ich nie Bürger erster Klasse sein.“ zeigen, dass sich Migranten in Deutschland nach wie vor ausgeschlossen fühlen.

Fast ein Drittel aller Kinder in Deutschland kommen aus Migrantenfamilien*. Wenn sich am deutschen Bildungssystem und seinem Umgang mit Migranten nichts ändert, wird ein Drittel der potenziellen Arbeitskräfte verloren gehen. Entweder werden sie dem Bildungssystem, in dem sie ausgegrenzt und nicht ausreichend gefördert werden, zum Opfer fallen, oder sie wandern aus, nachdem sie das Bildungssystem erfolgreich durchlaufen haben. Die Forschungsprojekte werden voraussichtlich dazu beitragen, die Probleme der Migranten im deutschen Bildungssystem zu erklären. Eventuell können Sie auch helfen, die Probleme zu beseitigen.

* Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland, Seite 38

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