Joana Breidenbach und Pál Nyíri haben in ihrem Buch „Seeing Culture Everywhere“ wunderbar beschrieben, wie sich Kultur als Erklärung und Rechtfertigung für fast alles nutzen lässt – vom Genozid bis zu Verbrauchergewohnheiten, wie die Autoren sagen. Die Kulturalisierung greift überall um sich. Ein Beispiel, wie man es nicht machen sollte, hat jetzt McDonald‘s geliefert. Wahrscheinlich wollten sie kultursensibel handeln, aber gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.

Bei McDonald‘s in Marokko sieht man zurzeit ein Schild, worauf man Folgendes lesen kann:

Hinweis an unsere Kunden: Während Ramadan werden in unserem Restaurant nur Kinder und Nicht-Muslime bedient, alle anderen Bestellungen werden nur zum Mitnehmen zubereitet.

Wie wollen die McDonald‘s-Mitarbeiter Nicht-Muslime eindeutig identifizieren? (Ich stelle die folgenden Fragen trotz meiner starken Abneigung gegen dieses Plastikessen.) Wieso dürfen reisende oder kranken Muslime dort nichts essen? Was müssen schwangere, stillende oder menstruierende Frauen tun, um bei McDonald‘s etwas zu essen bekommen?
Den Initiatoren dieser Regelung scheinen die religiösen Gebote rund um den Ramadan nicht sehr vertraut zu sein. In meinem Verständnis (und das kann durchaus falsch sein) fasten die Muslime freiwillig. Obwohl das Fasten im Ramadan eine der fünf Säulen des Islam ist, d. h. ihm durchaus große Bedeutung beigemessen wird, ist es doch eine persönliche Entscheidung, ob man sich selbst in der Lage fühlt, zu fasten. Das heißt, wer im Ramadan fastet, hat sich freiwillig dafür entschieden. Er benötigt also mit Sicherheit kein McDonald‘s-Personal, dass ihm das Essen verbietet.

McDonald‘s maßt sich an, Wächter über die Ausübung religiöser Pflichten zu sein. Ein schönes Beispiel dafür, wie kultursensibles Marketing weit über das Ziel hinausschießt.

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