Im Zeitalter der Globalisierung gibt es zahlreiche Möglichkeiten der Kommunikation. Menschen aus allen Regionen der Erde können ihre Gedanken austauschen. Fernsehsender, wie CNN oder Al Jazeera, schaffen globale Mediennetzwerke, in der jeder Zuschauer auch Beiträge zu Debatten veröffentlichen kann. Aber schafft die wachsende Kommunikation auch einen besseren Dialog?

Die Probleme des Dialogs sind vielfältig. Ein Haupthindernis für einen Kulturdialog ist die vorhandene Bipolarität, welche der Komplexität und der Heterogenität der Gesellschaften nicht gerecht wird. Die Kulturen werden als zwei sich gegenüberstehende Parteien angesehen, zum Beispiel „der Westen“ und „die islamische Welt“. Diese Sichtweise unterstellt, die Kulturen seien statisch, in sich geschlossen und räumlich voneinander getrennt.

Die Medien liefern oft ein verzerrtes Bild der Realität, da die islamische Welt nur in Ausschnitten gezeigt werden kann und oft selbst nicht zu Wort kommt. Genauso wenig sind sie in der Lage, alle Aspekte der westlichen Kulturen darzustellen. Die Arbeit der Medien reicht nicht aus, um einen Dialog in Gang zu setzen, der tatsächlich die Wahrnehmung der Anderen verbessert.

Es gibt andere Arten der Kommunikation, die zum Kulturdialog wesentlich beitragen können. Zum einen gibt es einen institutionalisierten Dialog, der zwischen Regierungsmitgliedern, Wissenschaftlern oder Geschäftspartnern stattfindet. Zum Anderen gibt es einen persönlichen Dialog, der zu einem besseren Verständnis zwischen Touristen und Einheimischen, zwischen ausländischen und inländischen Studenten oder auch zwischen Arbeitskollegen verschiedener Nationalitäten führt.

Eine weitere Möglichkeit, des Dialogs bietet das Internet. Im Web 2.0 kann man einen Einblick in das Leben der Anderen gewinnen, den die herkömmlichen Medien zum großen Teil nicht zulassen. Man kann persönliche Blogs aus anderen Ländern lesen und mit Menschen auf diese Weise kommunizieren. Durch das Web 2.0 ist auch eine Kommunikation in alle Richtungen gegeben. Man kann Dinge hinterfragen und mit anderen diskutieren, während herkömmliche Medien, wie Fernsehen oder Zeitung, nur in eine Richtung kommunizieren, obwohl auch hier die Durchlässigkeit größer wird.

Allerdings müssen auch im Web 2.0 bestimmte Bedingungen für einen Dialog beachtet werden. Man muss bereit sein, zuzuhören und die eigene Denkweise zur Diskussion zu stellen. Die Gesprächspartner müssen sich um gemeinsame Maßstäbe bemühen und sich der Grenzen des Dialogs bewusst sein. Im Falle des Dialogs zwischen Muslimen und Europäern sollte die Emotionalisierung des Themas selbst zum Gesprächsgegenstand gemacht werden.

Im Web 2.0 ist zwar ein “persönlicher” Kontakt von Menschen aus verschiedenen Teilen der Erde möglich, ob dadurch jedoch ein tatsächlicher Dialog entsteht, hängt wie im realen Leben von der Dialogbereitschaft ab.

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