Canforas Buch zeigt einen geschichtlichen Abriss der Befreiungsrhetorik.

Nachdem die Veröffentlichung des Buches “Kurze Geschichte der Demokratie” in Deutschland eine Kontroverse ausgelöst hatte, erschien 2008  “Die Freiheit exportieren. Vom Bankrott einer Ideologie” von Luciano Canfora in der deutschen Übersetzung. Darin polemisiert der Philologe gegen die Befreiungsrhetorik, welche es Staaten erlaubt, hinter der Kulisse von Demokratisierungs- oder Freiheitsbestrebungen eine imperialistische Strategie zu verfolgen.

Canfora selbst fasst den Inhalt des Buches folgendermaßen zusammen: “Die in diesen Kapiteln dargestellten Geschehnisse erhellen, wie das Programm des ‘Exports’ eines Ideals und politischer Modelle (‘Freiheit’, ‘Demokratie’, ‘Sozialismus’ etc.) in Wirklichkeit Machtansprüche verdeckt.” Er führt den Leser durch eine Reihe von Episoden, in denen der Vorwand der Freiheit genutzt wurde, um Kriege zu rechtfertigen. Canfora beginnt bei den Griechen, fährt dann mit Napoleon und dem Zweiten Weltkrieg fort und behandelt schließlich Afghanistan und den Irak. Er zeigt die imperialistischen Strategien der Kriegsparteien auf und weist auf die Konsequenzen der Auseinandersetzungen hin, die nämlich niemals in der tatsächlichen Freiheit des befreiten Volkes endeten, sondern in der einen oder anderen Art von Zwangsherrschaft oder in der Barbarei.

Canfora findet immer wieder Vergleiche zwischen den strategischen Vorgehensweisen der “Befreier” der verschiedenen Jahrhunderte. Er springt zwischen den Epochen hin und her, was es dem Laien erschwert, den Argumentationen zu folgen. Im Kapitel über die Befreiung Europas im Zweiten Weltkrieg werden immer wieder Episoden aus der griechischen Geschichte eingeworfen, ohne dass ein direkter Zusammenhang auf Anhieb klar wird. Es werden hier, wie im ganzen Buch, Beispiele für die Befreiungsrhetorik aneinandergereiht, ohne dass sie im größeren Kontext der historischen Ereignisse dargestellt werden. Canfora beschreibt durchaus zynisch die Parallelen der Geschichte aus denen niemand etwas zu lernen scheint. Die imperialistische Logik wird immer wieder der Befreiungsrhetorik gegenübergestellt. Zu Anfang des Kapitels über Afghanistan bringt er seine Argumentation auf den Punkt: “Ein Charakteristikum der gesamten Geschichte, die sich eineinhalb Jahrhunderte lang entwickelte, ist es, dass in ihrem ersten Abschnitt alle Protagonisten die Dinge bei ihrem Namen nannten (‘das große Spiel’ zwischen Russland, China und England um die Vorherrschaft über Afghanistan), während im zweiten, uns zeitlich näheren Abschnitt jeder der Protagonisten sich als geneigt präsentiert, den Afghanen irgendetwas zu ‘bringen’ (Freiheit und Demokratie vor allem). Der Zweck des ‘Spiels’ hat sich jedoch nicht geändert…”

In den letzten beiden Kapiteln erfährt man viele Details der Verstrickungen und der gegenseitigen Manipulationen, die allgemein nicht bekannt sein dürften, zum Beispiel eine Zusammenarbeit zwischen Israel und Iran. Am Ende dieses Buches bleibt der Eindruck, dass man die weltpolitischen Geschehnisse unmöglich durchschauen kann. Der letzte Abschnitt des Buches umfasst lediglich fünf Zeilen und schafft es doch, die niemals endenden politischen Verstrickungen zu zeigen.

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