Wibke Ladwig setzte sich kürzlich mit der Frage „Was machen Sie denn so beruflich?“ auseinander. Ich fühlte mich sofort in meine Studienzeit zurückversetzt, in der ich häufig Gespräche dieser Art führte:

- Was studierst du denn?
- Ethnologie.
- (fragende Blicke) Und was macht man dann damit?

Anfangs lieferte ich eine Aufzählung der Möglichkeiten von Forschung über Museen bis hin zu Entwicklungshilfe. Später sagte ich nur noch so etwas wie „Weiß noch nicht“ oder „Wird sich ergeben“.

Die Befürchtung besteht, dass die Ausrichtung der universitären Bildung am Arbeitsmarkt letztendlich zu einer Abschaffung dieser sogenannten Orchideenfächer führt. Wenn es keine konkrete Jobbeschreibung dafür gibt, muss/darf es an der Universität auch nicht mehr angeboten werden – so hat man das Gefühl. Nun, mir hat die fehlende Arbeitsmarktorientierung meines Studiums nicht geschadet. Wie Identitäten nicht statisch und eindimensional sind, so sind auch sogenannte Erwerbsbiografien heute nicht mehr geradlinig. Sie verlaufen in Kurven, enthalten Brüche und ändern gelegentlich die Richtung.

Ein geisteswissenschaftliches Studium, egal welcher Fachrichtung, stattet einen mit vielerlei Fähigkeiten aus: Recherche, Verfassen wissenschaftlicher Texte (offensichtlich hängt es von der eigenen Motivation oder Moralvorstellung ab, wie ernst man dieses Thema nimmt) und eigenständiges Arbeiten. In meinem speziellen Fall kommen noch Kenntnisse über das Funktionieren von Gemeinschaften, Identität und Gruppenzugehörigkeit, Wissen über unterschiedliche Religionen, politische und wirtschaftliche Systeme dazu.

Und was mache ich nun damit? Es gibt dafür nicht die eine Jobbezeichnung. Ich bezeichne mich selbst als Autorin, Lektorin und Übersetzerin. Was ich anbiete sind Textdienstleistungen. Ich schreibe, lektoriere oder übersetze Texte, am liebsten (aber nicht nur) solche, die es ermöglichen über den Tellerrand zu blicken oder es erlauben, die Welt mit den Augen der Anderen zu sehen. Ich möchte Einblicke in anderen Lebensrealitäten geben, Verständnis für Andere fördern und Dialoge in Gang setzen.

Gibt es eine Ausbildung, in der man all dies lernt? Nein. Ich denke, viele „Medienleute“ sind Hybride: Zusammengesetzt aus verschiedenen Ausbildungen, Arbeitserfahrungen, eigenen Interessen und Initiative erschaffen sie völlig neue Berufe, die jeweils einzigartig sind.

Ist diese Welt nicht wunderbar bunt?

(PS: Und da diese Blogparade geradezu für Eigenwerbung prädestiniert ist, dürfen Sie sich gern meine Website ansehen. Ich freue mich auf neue Aufträge ;-) )

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