Der Hybrid ist in aller Munde. In Bezug auf Autos.  Aber was bedeutet Hybridität beim Menschen? Das Buch „Beziehungsgeflecht Minderheit“ enthält verschiedene Beiträge aus der Ethnologie, welche die Beziehung zwischen Mehrheit und Minderheit untersuchen und dabei die Perspektive der Hybridität nutzt.

Elka Tschernokoshewa, die Herausgeberin der Reihe „Hybride Welten“, in der dieses Buch erschienen ist, beschreibt in ihrem Beitrag die Wandlung von hybriden Kulturen vom Störfaktor zum Trendsetter. Sie erläutert das Konzept der Hybridität anhand der Sorben in Deutschland.

Die sorbische Kultur, die in der deutschen Kultur eingebettet ist, kann nicht mehr als Insel in der Mehrheitskultur betrachtet werden. Mit der Hybriditätsperspektive kann man erklären, wie Sorben verschiedene Bezugssysteme nutzen. Sie überträgt ihre Erkenntnisse in eine globale Perspektive und schreibt:

Immer mehr hängt alles mit allem zusammen. Niemand ist “nur eins”, wenige werden an einem Ort und in einem Beruf lebenslang verbleiben können, die Normal-Biographie wird immer mehr zu einer Bastel-Biographie, von allen wird Flexibilität und Mobilität verlangt. Und der Austausch mit anders Sprechenden, anders Aussehenden und eine andere Religion Habenden wird eine Alltagsübung für alle. Kulturelle Differenz ist allgegenwärtig.

Auch die anderen Beiträge des Buches untersuchen das Verhältnis einer Minderheit zu einer Mehrheit. Dabei wird auf die eine oder andere Weise immer wieder festgestellt, dass es keine Minderheit und keine Mehrheit mehr gibt, sondern nur noch Vielheiten.

Erol Yildiz, der sich im letzten Kapitel des Buches der Migration in Deutschland widmet, betont:

Die Öffnung der Orte zur Welt und die damit einhergehende Kosmopolitisierung  des Alltags nötigen uns zu einem radikalen Perspektivenwechsel im Umgang mit Migration und Diversität. Der neue Blick heißt, sich von eindeutigen Festlegungen zu verabschieden, Ambivalenzen, „hybride Welten“ und „Transdifferenzen“ in den Mittelpunkt zu stellen.

Der Umgang mit Differenz ist eines der wichtigsten Themen unserer Zeit. Die Ergebnisse der Forschungen, die in diesem Buch dargestellt werden, können dabei helfen, neue Wege zu finden, mit Differenz und Diversität, jenseits der Kategorisierung „Wir“ und „die Anderen“, umzugehen.

Quelle: Tschernokoshewa, Elka und Udo Mischek (Hg.).  Beziehungsgeflecht Minderheit. Zum Paradigmenwechsel in der Kulturforschung/Ethnologie Europas.  Waxmann Verlag.  Münster, 2009.

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