Mit Schrecken habe ich festgestellt, dass mein letzter Blogbeitrag aus dem Juni 2013 stammt. Ich gebe zu, mir hat ein wenig die Motivation zum Bloggen gefehlt. Vor allem die Tatsache, dass mein Gartenblog wesentlich mehr Leser findet, als ein Blog über etwas ernsthaftere Themen, wirkte auf mich sehr demotivierend. Ich habe jetzt drei Möglichkeiten:

1. Ich könnte rummotzen, wie Sascha Lobo auf der re:publica: Mehr Leute interessieren sich für Blumenfotos, als für Kulturdialog. Das kann doch nicht sein!

2. Ich könnte ignorieren, dass sich mehr Leute für Blumenfotos interessieren, als für Texte über Verständigung mit Anderen, einfach weiter schreiben und hoffen, dass es irgendjemand liest.

3. Ich könnte meine Themen besser verpacken, so wie ich meinen Kindern das Gemüse im Essen verstecken muss.

Ich werde mich wohl mal für Option 2, mal für Option 3 entscheiden. Option 1 finde ich nicht so toll, weil ich ungern rumheule, weil keiner mich mag. Das fällt also aus.

Es wird bei den dialogtexten also weitergehen, allerdings mit einer etwas anderen Ausrichtung. Zum einen wird es mehr um das Thema Bildung gehen, da ich vor einiger Zeit das Fernstudium Bildungswissenschaften begonnen habe und ich mich dadurch mit den Thema auseinandersetze. Zum anderen möchte ich nie mehr über Kulturdialog schreiben.

Nie wieder Kulturdialog

Ich wollte als gerade beginnende freie Autorin auf der Welle der interkulturellen oder interreligiösen Dialoge mitschwimmen und dies als meinen Themenschwerpunkt etablieren. Aber diese Begriffe sind doch wirklich Quatsch! Wer soll denn mit wem in den Dialog treten? Kultur ist ein Konstrukt genau wie Hautfarbe oder Rasse. Kultur ist ein statischer Begriff, der keine innere Differenzierung zulässt. Damit ist schon vorprogrammiert, dass diese Form des Dialogs nur scheitern kann.

Was genau ist mit deutscher Kultur gemeint, wenn wir von einem deutsch-chinesischem Kulturdialog sprechen? Wer sind diese Deutschen? Und wer die Chinesen? Die deutsche Kultur ist so vielfältig, dass sie unmöglich als eine Einheit verstanden werden kann und schon gar nicht als feststehende unveränderliche Größe. Warum also gehen wir davon aus, dass andere Kulturen einheitlich und fixiert sind? Es gibt sie nicht DIE Türken, DIE Chilenen, DIE Nigerianer oder DIE Russen. Wir können nicht mit einer Kultur in Dialog treten. Wir kommunizieren mit Vertretern einer bestimmten Kultur, die aber dennoch nicht die Kultur als Ganzes repräsentieren. Wir können also nur in einen Dialog mit Menschen treten, nicht mit Kulturen oder Religionen. Vielleicht erhalten wir endlich mal differenziertere Bilder von den Anderen, wenn wir mit Menschen sprechen und nicht mit Kulturen.

Außerdem wird  der Kulturbegriff heute oft als Ersatz für den Rassebegriff verwendet. Die Kultur wird als unabänderliche Eigenschaft eines Menschen, die seine Verhaltens- und Denkweisen bestimmt, gesehen. Einem Menschen werden bestimmte Eigenschaften zugesprochen, weil er oder sie aus einem bestimmten Land kommt und einen bestimmten kulturellen Hintergrund hat. Die Tatsache, dass das Wissen über diese Kultur auf Halbwissen und Stereotypen basiert, führt zu Verallgemeinerungen, die denen der Zuschreibung von Eigenschaften aufgrund einer bestimmten Hautfarbe entspricht. Kulturalismus ersetzt heute zunehmend (vermeintlich politisch korrekt) den Rassismus.

Kulturen sind vielfältig. Sie eignen sich nicht, um Eigenschaften eines Individuums zu erklären. Natürlich sind wir alle in irgendeiner Kultur sozialisiert worden, aber es gibt so viele unterschiedliche Sozialisationsebenen und -einflüsse, dass man unmöglich Verallgemeinerungen aufgrund irgendeiner Kultur treffen kann.

Ich möchte lieber mit Menschen in Dialog treten. Nicht mit schwammigen Begriffen.

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