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Foto: Alexandra Bucurescu, Quelle: pixelio.de

Wie prägen die Auslandsnachrichten unser Bild von anderen Ländern? Dieser Frage gehen Forscher auf der ganzen Welt, unter anderem in Hohenheim und Mainz, nach.

In einem internationalen Forschungsverbund, welcher von Prof. Akiba Cohen von der Universität Tel Aviv geleitet wird, widmen sich Forscher aus Brasilien, Chile, Kanada, Taiwan, China, Südafrika, Ägypten, Israel, Türkei, Finnland, Bulgarien und anderen einem einzigen Thema: Wie beeinflussen die TV-Nachrichten die Wahrnehmung von anderen Ländern?

Finanziert wird das Projekt von verschiedenen Geldgebern in den jeweiligen Partnerländern. In Deutschland unterstützt die DFG das Projekt “Auslandsnachrichten im Fernsehen: Inhalte, Produktion, Rezeption im internationalen Vergleich” mit 220.000 €. Das Forschungsvorhaben wird in zwei Universitäten durchgeführt. Prof. Dr. Quandt (Universität Hohenheim) und Prof. Dr. Wilke (Universität Mainz) sind gemeinsam für die Umsetzung des Projektes verantwortlich.

Es gibt verschiedene Fragestellungen, welche zur Analyse der etwa 800 Nachrichtensendungen dienen. Zum Einen wird die formale Gestaltung der Sendungen untersucht. Es gibt hier erhebliche Unterschiede. Das Format der Tagesschau erscheint Zuschauern in anderen Ländern seltsam, denn es gibt in der Auslandsberichterstattung sehr viele verschiedene Formate. Die Sendungen variieren nicht nur in der Dauer, sondern auch in der Anzahl der Beteiligten. Einige Nachrichtensendungen bestehen aus lebhaften Diskussionen, was in Deutschland wiederum eher in einer Talkshow erwartet werden würde.

Des weiteren wird der Inhalt der Sendungen qualitativ analysiert. Hier wird der Frage nachgegangen, über welche Themen berichtet wird. Eines haben die Forscher schon festgestellt: Über die USA wird weltweit am häufigsten berichtet, während das sub-saharische Afrika vom Nachrichtenradar fast vollständig verschwindet. Auch der Unterschied zwischen Privatsendern und öffentlich-rechtlichen Sendern wird hier untersucht.

Der dritte Teil der Analyse besteht aus einer Rezeptionsstudie. Hier will man herausfinden, wie die Zuschauer die Nachrichten wahrnehmen. In repräsentativen Bevölkerungsumfragen wird der Frage nachgegangen, wie die Wahrnehmung von fremden Ländern durch die Auslandsberichterstattung geprägt wird.

Ein weiterer Aspekt des Projektes richtet sich auf die Nachrichtenmacher. Das interessante an diesem Projekt ist nun der weltweite Vergleich. Es wird versucht herauszufinden, welche Kriterien Journalisten für die Themenauswahl ansetzen.

Das Projekt wird seit 2008 gefördert und ist auf zwei Jahre angelegt. Wir können gespannt sein auf die Ergebnisse. Vielleicht werden sie uns zeigen, wie selektiv unsere Wahrnehmung von anderen Ländern und damit anderen Menschen ist. Natürlich kann jeder Mensch seine eigene Wahrnehmung selbst steuern, indem er sich weitere Informationsquellen sucht, aber dennoch bleibt die Auslandsberichterstattung die Hauptquelle der Informationen über andere Länder.

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