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Die Rolle der Medien im Kulturdialog

Bernhard Madoff, der Finanzbetrüger, ist Jude. Nidal Hasan, der Amokläufer von Ft. Hood, ist Muslim. In den Medien wird besonderer Wert auf die religiöse Zugehörigkeit der Täter gelegt. Dadurch werden Vorurteile gegenüber bestimmten Religionen verstärkt.

Kriminelle werden immer wieder als “typische Beispiele” für ihre Religion angeführt. Junge Männer, die Ehrenmorde begehen werden als “typische Muslime” dargestellt. Ein Finanzbetrüger gilt als “typisch jüdisch”. Diese Wahrnehmungen führen zu Verstärkungen von Vorurteilen, die in der heutigen Zeit längst nicht mehr existieren sollten.

Die Medien sind daran nicht ganz unschuldig, denn sie ziehen immer wieder die Religion in den Fokus der Öffentlichkeit. Das trifft besonders auf die Fälle zu, in denen die Täter als “Fremde” erscheinen; als Menschen, die nicht zur “eigenen” Bevölkerung gehören, die ausgeschlossen werden. Bei einem “Familiendrama”, bei dem nur Deutsche involviert sind, wird selten erwähnt, ob sie einer bestimmten Religion angehören oder ob sie beispielsweise von Frankurt (Oder) nach Frankfurt a.M. migriert sind.

Eboo Patel spricht sich in einem Artikel in dem Blog “Faith Divide” der Washington Post dafür aus, dass sich muslimische und jüdische Führungspersönlichkeiten zusammenschließen, um diesen Vorurteilen entgegenzutreten. Patel fordert:

Now is the time for a Muslim-Jewish alliance against defamation. Hate has been left unchecked for far too long.

In ihrem sehr lesenswerten Artikel “Das Feinbild der Anderen” untersucht Hanan Badr die Berichterstattung im Mordfall Marwa El-Sherbini. Sie zeigt wie die Medien sowohl in Deutschland als auch in Ägypten versagt haben, eine sachliche Debatte über den Fall in Gang zu setzen. Sie schreibt:

Gemäß medienethischen Grundsätzen sollten Medien dabei helfen, Konflikte abzubauen und nicht zu schüren.
Doch genau das Gegenteil bewirkten einerseits die ägyptischen Medien durch Übertreibung und andererseits die deutschen Medien durch Untertreibung des Falls. In der polarisierten Medienrealität fehlte es an Rationalität und interkulturellem Verständnis beider Seiten.

In Ägypten wurde das Vorurteil vom “islamfeindlichen Deutschland” weiter geschürt, während in Deutschland immer noch der Begriff  “islamistischer Terrorismus” präsent ist.

Die Medien können sich ihrer Verantwortung für einen sachlichen Dialog zwischen den Kulturen nicht entziehen. Zwar gibt es einige Projekte der öffentlich-rechtlichen Sender (z.B. Forum am Freitag), diese sind jedoch sehr zielgruppenspezifisch und bewirken bei großen Teilen der Bevölkerung kaum etwas.

Sicher gibt es genügend Informationsangebote, mit denen sich der interessierte und dialogwillige Bürger an einem interkulturellen Dialog beteiligen kann. Ziel sollte es aber sein, die breite Bevölkerung in einen Dialog zu involvieren.

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2 Kommentare

  1. Medien sind nicht sachlich, sondern sind finanzabhängig. Medien polarisieren sinnlos(es), um Leserschaften zu bekommen, zu befriedigen oder weil sie Zeilen schinden, um die Seite voll zu bekommen. Der sachliche Qualitätsjournalismus ist ebenso Illusion wie der Zuwachs an kritikfähiger Leserschaft. In Berichten gibt’s den Arbeitslosen, der einbricht, trinkt und gewaltbereit ist genauso, wie die Frau, die übergewichtig, einkaufssüchtig und alleinerziehende Rabenmutter ist, warum sollte das bei Weltanschauungen anders gehandhabt werden… Und wenn’s nicht offen mit zwei Wörtern formuliert wird, wird es in mehreren Sätzen entsprechende Bilder in den Köpfen der Leser erzeugt.
    Kritikfähige Leser ist die Zauberformel. Die erhält man aber nicht mit den derzeitigen Bildungs(un)initiativen…

  2. Liebe Sigrid,

    der kritikfähige Leser fehlt, das stimmt. Es gibt in den Medien ja auch sachliche Informationen, die nur nicht unbedingt an der Oberfläche schwimmen. Man muss tiefer eintauchen. Das machen die wenigsten.
    Wenn die Konsumenten auf die Verdummung verzichten würden, müssten die Medien umstellen. Es liegt also alles an den Konsumenten.
    Das ist wie bei den Lebensmitteln. Wenn alle Bio essen würden, gäbe es nur noch Biobauern.

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