In meiner Twittertimeline las ich in den letzten Tagen oft diesen oder ähnliche Tweets. Was war passiert? Chile hatte Spanien mit einem 2:0-Sieg aus der Fußballweltmeisterschaft gekickt. Ich gehöre ja auch eher zu denen, die gern mal den sogenannten Underdog, also die Mannschaft mit den geringeren Erfolgsaussichten, unterstützt. Deshalb habe ich mich über die Ergebnisse auch gefreut.

Trotzdem frage ich mich, ob wir es uns mit der Aussage “die Rache der Kolonien” nicht ein bisschen zu einfach machen? Die europäischen Kolonisatoren haben ganze Völker ausgerottet. Sie haben gesellschaftliche Gefüge ins Wanken gebracht und damit Prozesse in Gang gesetzt, welche zu Völkermorden führten. Sie pressen auch heute noch jeden Tropfen aus den ehemaligen Kolonien heraus, wobei es heutzutage Unternehmen sind, die mit Wohlwollen der Regierungen agieren.

Und wir sehen ein simples Fußballspiel als Rache dafür? Da machen wir es uns aber ganz schön einfach.

Rache wäre es, wenn die ehemals Kolonisierten, die ja immer noch in dem kolonialen Abhängigkeitssystem stecken, einfach mal aufhören würden, Europa mit Rohstoffen zu versorgen. Rache wäre, wenn sie einfach mal NEIN sagen, zu sämtlichen Handelsabkommen, die sie immer nur als willige billige Rohstofflieferanten knebeln. Rache wäre, wenn sie ihr Land nicht an ausländische Investoren verkaufen, sondern sich selbst damit ernähren und nicht ein globales Wirtschaftssystem füttern, das auf der einen Seite den Überfluss auf Mülldeponien entsorgt, während auf der anderen Seite Menschen verhungern.

Nein, ein Fußballspiel kann niemals Rache sein. Besonders nicht für solch lang andauernde sich immer wieder selbst erneuernde Machtasymmetrien. Fußball ist nur ein Spiel und es soll Spaß machen. (Auch wenn die FIFA ganz und gar nicht lustig ist.) Die Geschichte und die Gegenwart der Kolonialisierung haben damit rein gar nichts zu tun.

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